Die „Rache der Robo-Tonnen“ vor Romanshorn …

11 Okt

….oder auch „hoffentlich ist auf den Dingern kein Mikrofon installiert“,

…. oder „Der der mit den Tonnen sprach“

******** ganz unten eine ernsthaftere Diskurs zu den Tonnen – also bitte bis unten lesen sonst entsteht ein falscher Eindruck*****

romanshorn

Quelle: YCRo / der Fotograf

So nun erlaubt der Release-Plan des Blogs endlich einen etwas detaillierteren ganz persönlichen Bericht der Herbstregatta vor Romanshorn :

Bei schönstem Herbstwetter,  also leichtem Regen und 12 bis 20 Knoten Südwest der die flauschige 12 Grad Lufttemperatur harmonisch der Wassertemperatur anglich, wurde die Herbstregatta Romanshorn eröffnet, anders als in den letzten Jahren in denen lediglich Finns und Fireballs teilnahmen, fuhren diesesmal auch die Contender mit. Die Kombination der Klassen Conti, Finn und Fireball hat sich ja auch in Mammern bereits seit Jahren etabliert.

Die Meldezahlen waren bei Finns und Fireballs erwartungsgemäß ausbaufähig, erfreulich dass die Newcomer mit 15 Booten sogleich stärkstes Feld waren.

Mit einem Weißwurstfrühstück vor der Steuermannsbesprechung, ( Schweizer Art ohne Weißbier und alkoholfreies Weizen :-)) ließ sich das ganze ja schon sehr positiv an. Der Wind, dessen Ableben erst für den späten Nachmittag prognostiziert war, bließ beständig und ließ auf schöne Wettfahrten mit grandioser Welle hoffen.

Die vor der Slipbahn treibenden Robo-Tonnen, also GPS gesteuerte Bahnmarken, die sich selbstständig auf Position halten, ließen auf eine Regattabahn hoffen, die weit genug draußen war, um die in der Romanshorner Bucht bei Südwestwind typischen Dreher und Böen zu vermeiden.

Denn wir wissen ja das ein Problem am Bodensee die Tiefe und damit die Verankerung der Bahnmarken im See ist, ergo können Robo-Tonnen dieses Problem lösen…….

sorry ich meine „könnten“ …. 🙂 :

Nach dem Auslaufen fanden die Segler nämlich die Luvtonnen ca. 200 Meter vom Ufer entfernt in der „Hack- Hagel und Mastbruchzone “ der Landabdeckung, erst nach einigen „höflichen“ Hinweisen wurde die Bahn einige Meter auf den See verschoben, meines Erachtens allerdings 1 bis 2 Kilometer zu wenig, die Luvtonnen befanden sich immer noch im Landeinfluß.

Die Verschieberei des Vierecks dauerte gemessen an der Verfallszeit von Kunstoffmolekülen sehr kurz, mit anderen Worten: gefühlt eine kleine Ewigkeit . Aber schließlich ging das Startprozedere los. Interessant war das frei fahrende Startschiff, das neben der tonnenbegrenzten Startlinie trieb, dieses war für viele Segler eine Herausforderung vor dem Start, da „frei fahrend“ durchaus wörtlich zu interpretierend war.

Meine übliche Startstrategie, bis kurz vor dem Start in Luv vom Startschiff auf die beste Position für den Start zu lauern war also mit einigem Risiko  verbunden.

Die Startlinie zur ersten Wettfahrt lag noch einigermaßen in Ordnung, und so näherten sich 3 Finns relativ knapp der Luvtonne bei schönstem Hängewind, doch die Luvtonne ( man achte auf die weibliche Form :-)) – war sehr launisch* –

(* nach dem späteren Gespräch mit dem verantwortlichen lediglich nicht „korrekt kalibriert“ aber ich empfehle den männlichen Lesern des Blogs – diese Begründung von „Launisch“ niemals den Gattinnen zu nennen, mit dem Satz „Du bist wahrscheinlich nur nicht korrekt kalibriert “ löst man keine Ehekonflikte – garantiert )

das äusserte sich daran, dass sie als die Boote 30 Meter entfernt waren ca. 10 Meter nach Lee abtrieb, der erste Finn an der Tonne konnte das gut nutzen, beim 2. Boot 5 Meter hinter dem ersten fuhr das Ding dann wieder auf Position 10 Meter nach Luv, also hatte der Steuermann alle Mühe ( Ihr könnt Euch denken wer das war ) nicht von dem Ding gerammt zu werden, die „höfliche, von Liebe und Zuneigung“ geprägte Konversation des betroffenen Steuermannes mit dem tauben und blinden Roboter war etwas absurd -( falls kein Mikrofon installiert war, falls doch wäre ein Protest jenseits der 63 RR seitens der Tonne vielleicht sogar passend gewesen) – , gab dem Steuermann aber das gute Gefühl auch mal einem blinden und tauben Ding die Hoffnung auf ein Leben voller der genannten Liebe und Zuneigung gegeben zu haben.

Das Startschiff war dann auch als Zielschiff „frei fahrend“,  davon konnte der an der Leetonne drittplatzierte profitieren, denn er hatte bei der Steuermannsbesprechung gut zugehört und fuhr sofort korrekt als erster ins Ziel, Oli Wirz und der Tonnenflüsterer folgten dann etwas verwirrt nach gefühlt 12 maligen überqueren irgendwelcher Ziellinien. .

Laut Wettfahrtleitung wurde in der ersten Pause eine Tonne von einem Boot gerammt und deswegen zerstört***!
(***Das eine Tonne von einem Boot berührt wird ist also wirklich sehr außergewöhnlich und daher in den Wettfahrtregeln auch nicht gesondert erwähnt –  verständlich das die Dinger im Falle einer Kollision sofort in 12 Teile zerspringen. )

Die Robo-Tonne wurde also durch ein Schlauchboot, korrekterweise mit „M“ markiert ersetzt. Das, in Kombination mit dem Bergen eines Verletzten,  dauerte wiederum wesentlich kürzer, als die Zeit die ein Carbon – Mast benötigt komplett unter Sonneneinfluß zu zerfallen aber dann doch … puhh.

Der Wind drehte wie vorhergesagt im Laufe des Nachmittages immer weiter nach Westen und somit dann doch relativ Quer zur Startlinie ( also nur weil diese nicht angepasst wurde), das äußerte sich auch für Laien verständlich in der Tatsache, dass die Segler lieber hintereinander an der in Luv liegenden Tonnen starteten als auch nur 5 Meter in die Linie hineinzufahren.

Musste man in der 2. Wettfahrt noch einen kurzen Hohleschlag machen um zur Tonne zu kommen – konnte man sich das bei der 3. Wettfahrt komplett sparen mit einem leichten Schrick und leicht gehoben Schwert konnte man die Luvtonne bequem ohne jegliche gefährliche Wendemanöver erreichen und diese mit gebührenden Abstand, hinterhältig leise heranpirschend, sicher umrunden.

Der 120 Grad Dreher vor der vierten Wettfahrt wurde dann schließlich doch bemerkt und dieser Lauf dann mit einem korrekten Kurs aber bei absterbenden Wind und noch stehender Welle ( siehe oben ) gesegelt – meine Spezialbedingungen übrigens „würrrrg“.
Glücklicherweise war an der Luvtonne kein Romeo zu sehen und so konnte der Autor, also ich also der Tonnenflüsterer), mit purer „Geschicklichkeit und Strategie“ ( andere nannten es brutale Pumperei:-)) nach einer verpatzten Startkreuz bei fastflaute sich noch auf den 2. Platz vorsegeln (-pumpen).

Die Teilnehmer wurden an Land mit einem warmen Süppchen empfangen, für den Autor, also mich also Bollo, war das nicht nötig, da ich von der Pumperei immer noch schwitzte, aber die Geste war wirklich toll.

Ebenso das tolle Abendessen im Clubhaus, das mit Curry und Bollo ( also dem Pastagericht also nicht dem Autor also mir also dem der mit den Tonnen spricht) kulinarisch und gesellschaftlich wirklich Top war – die Segler der verschiedenen Klassen mischten sich schnell und so wurde nochmal über die Highlights der Saison berichtet. ( da die anderen Klassen ja nicht dabei waren mit entsprechender Ausschmückung :-)).

Leider war schon abzusehen, das am Sonntag der Wind nur früh morgens sein würde – also zumindest von den Teilnehmern, die sich ständig über irgendwelche Meteo-Apps informerten – die Regattaleitung veranlasste daher ein „Briefing“ ( ja das ist die korrekte Schreibweise  – kleiner Insider) um 10:00 Uhr ????.

Also keine Wettfahrten mehr am Sonntag !

Alles in allem ein toller Event,  mit einem tollen und sympathischen Regatta-Team an Land und auf dem Wasser.  Die Bündelung von Ereignissen, Unfälle, technische Probleme etc. ( etc. weiß was gemeint ist :-)) haben sich leider etwas auf die Qualität der Wettfahrten ausgewirkt – aber das bekommt der Club sicherlich in den Griff und er wird nächstes Jahr noch besser auf dem Wasser agieren  – an Land gibt es wirklich nichts zu verbessern – eine schönen Anlage, tolle Verpflegung, nettes Personal im Service und eine tolle Landmannschaft der Regatta ergänzt durch wirklich tolle Preise lassen keine Wünsche offen.

****** zu den Tonnen:  die Tonnen werden in ganz Europa bei zahlreichen großen Regatten eingesetzt und funktionieren dort einwandfrei, der Ausfall der havarierten Tonne, die lt. Aussage des Verantwortlich falsch montiert war und ansonsten durchaus einer Kollision mit einem Boot standhält, führte dazu, dass der „Tonnenbetreuer “ keine Zeit hatte die anderen Tonnen korrekt einzustellen ( er war ja die neue Bahnmarke).  In der letzen Wettfahrt lagen die Tonnen dann auch in Welle und Wind korrekt und still. Robo-Tonnen können hier auf dem See sehr sinnvoll sein, und durch die erweiterten Möglichkeiten der Bahnverlegung für uns Segler eine wirkliche Bereicherung. Das haben wir bei der Schweizer Meisterschaft erlebt, bei der die Tonnen wirklich besser lagen als Angeleinte und der Bahnaufbau rapide schnell funktionierte. Sollte in diesem Artikel der Eindruck entstehen, die Tonnen seien untauglich ist das falsch – die überspitzte Darstellung dient dem Erhalt der Lesefreundlichkeit des Blogs, denn der möchte das ……..

 

 

…….   noch vieeelllllllllll mehr Regatta gesegelt wird.

 

Euer Bollo

 

 

 

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